Der Gedanke, unser Leben auf die Reise zu schicken, war plötzlich da – und doch fühlte es sich an, als hätte er schon immer in uns gewartet. Aber dieser Traum, dieses große Abenteuer, das wir zusammen als Familie erleben wollten, musste in der Realität erst einmal geprüft werden. Es war eine Zeit der Fragen, der Unsicherheit, aber auch der Klarheit und des Mutes. Wir mussten herausfinden, ob es überhaupt möglich war, all das zu verwirklichen – und das nicht nur für uns als Eltern, sondern auch für unsere Kinder.
Die ersten Hürden
Christian hatte die Entscheidung, zwei Monate auszusetzen, schnell getroffen. Sein Arbeitgeber gab uns grünes Licht, und auch die Schule von Noah, unserem jüngeren Sohn, stimmte einer Auszeit zu. Doch bei mir, als selbstständige Mutter, stellte sich die Frage: Wie kann ich mein Business während dieser Zeit weiterführen? Ich wollte natürlich nicht einfach alles hinter mir lassen. Aber auch da wurde mir klar: Ich darf meine eigene Freiheit und die Entscheidung, wie ich arbeite, ganz bewusst gestalten. Ich bin die Chefin meines eigenen Business, und wenn ich es möchte, kann ich auch in den nächsten zwei Monaten weniger und dafür bewusst wertvolle Momente mit meiner Familie genießen.
Doch es war nicht nur die berufliche Organisation, die uns beschäftigte. Unsere Tochter Noelle, 16 Jahre alt, war mitten in ihrer Ausbildung, und auch für sie war diese Reise eine große Veränderung. Sie würde für zwei Monate bei ihrem Vater leben und nicht wie gewohnt bei uns. Diese Entscheidung belastete mich als Mutter tief. Ich fühlte mich, als würde ich sie im Stich lassen, obwohl sie in besten Händen war. Als Elternteil fühlt man sich oft verantwortlich für das Wohl und die Stabilität seiner Kinder, und dieser Schritt rief all die Ängste in mir wach, die jeder von uns kennt: Werde ich ihr gerecht? Werden sie verstehen, warum wir das tun?
Die Gespräche mit ihr waren nicht einfach. Aber wir haben ihr ehrlich erklärt, warum diese Reise für uns so wichtig ist. Dass es nichts mit ihr zu tun hat, sondern mit uns – mit der Sehnsucht nach innerer und äußerer Harmonie, nach mehr Verbundenheit mit der Natur und dem Leben selbst. Und ja, auch wenn es so war, dass Noelle in dieser Zeit nicht mit uns unterwegs sein würde, wusste ich: Das ist kein endgültiger Abschied. Es ist eine Phase, und irgendwann werden auch wir als Familie zusammen wieder neue Wege gehen.
Noah und seine Ängste
Auch Noah, unser kleinerer Sohn, hatte seine eigenen Bedenken. In der ersten Klasse ist es nicht einfach, sich vorzustellen, dass Schule und Lernen nicht immer nach Plan laufen – und genau das war Noahs größte Sorge. Was, wenn er etwas verpasst? Was, wenn er nicht gut genug vorbereitet ist? Diese Ängste des kleinen Jungen haben uns als Eltern sehr nachdenklich gemacht. Wir haben ihn beruhigt, ihm versichert, dass wir auch unterwegs gemeinsam an seiner Bildung arbeiten können, dass er nicht hinten nach hinken wird. Aber auch hier wurde uns deutlich, wie sehr wir als Gesellschaft unter einem enormen Leistungsdruck stehen. Und wie tief dieser Druck in uns allen verankert ist – als Eltern, als Kinder, als Menschen.
Aber die Reise hat uns auch gezeigt, dass wir nicht gegen dieses System kämpfen müssen. Vielmehr geht es darum, einen eigenen Weg zu finden, der für uns als Familie funktioniert. Wie können wir das Beste aus dieser Situation machen, ohne uns von äußeren Normen zu sehr leiten zu lassen? Die Schule hat uns zugestimmt, ebenso wie Christians Arbeitgeber. Es wurde uns klar: Diese Reise ist nicht nur eine Flucht vor der Norm, sondern ein Schritt, bewusst den Weg zu finden, der uns als Familie stärkt.
Vertrauen und Mut
Und dann, als alles geregelt war, kamen die nächsten Fragen: Wie fühlt es sich an, so viel Vertrauen in die Zukunft zu setzen? Wie kann man sich von der gewohnten Struktur lösen und in ein ungewisses Abenteuer aufbrechen? Für uns war diese Reise nicht nur eine Reise in die Natur, sondern auch eine Reise in uns selbst. Sie brachte uns dazu, über unsere Ängste, unsere Zweifel und unsere Wünsche nachzudenken.
Ich habe meine Kundinnen informiert und ihnen gesagt, dass ich in dieser Zeit mit weniger Terminen zur Verfügung stehe, aber dennoch für sie da bin. Es war mir wichtig, transparent zu sein und gleichzeitig zu zeigen, dass ich auch in meiner Selbstständigkeit Vertrauen habe – Vertrauen in die Menschen, mit denen ich arbeite, und Vertrauen in meine Fähigkeit, Lösungen zu finden. Denn auch in der digitalen Welt gibt es immer Raum für Nähe, für Kommunikation, für wertschätzende Gespräche.
Wir sind auf diesem Weg, und wir wissen noch nicht, was uns genau erwartet. Aber wir wissen, dass wir den richtigen Schritt gehen. Dass wir als Familie, als Paar und als Individuen mehr im Einklang mit dem Leben sein wollen. Dass wir uns die Freiheit nehmen, unsere Träume zu leben – auch wenn das bedeutet, dass wir gegen den Strom schwimmen.
Ein neuer Anfang
Nachdem all diese organisatorischen Hürden überwunden waren, konnten wir uns endlich der Detailplanung widmen. Wie packen wir den Bus? Was brauchen wir wirklich? Doch das ist ein anderes Kapitel, das ich in einem nächsten Beitrag erzählen möchte.
Was bleibt, ist das Gefühl, dass der erste Schritt in ein neues Leben gemacht ist. Ein Leben, das uns näher zusammenbringt, uns auf das Wesentliche fokussiert und uns zeigt, wie viel wir schon besitzen – wie viel wir bereits haben, um glücklich und erfüllt zu sein. Und es bleibt die Erkenntnis, dass jede Entscheidung, die wir treffen, uns einen Schritt näher zu dem führt, was wir wirklich wollen: ein Leben in natürlicher Harmonie.
Sarah & Christian